Fasnet, gestern und heute

 

 

Die Narren pflegen Brauchtum, überlieferte Bräuche unserer Vorfahren, einstmals geschaffen als aktives Werkzeug zum Schutz vor vermeintlichen bösen Mächten, zur Verdrängung der Angstgefühle in langen, kalten und einsamen Winter­nächten.  Die Gemeinschaft der Gruppe machte stark, Fak­keln, Stroh und Reisigfeuer strahlten Wärme und Licht aus, hinter Masken und Larven konnte man sich verstecken, um vor dem bösen Blick geschätzt zu sein.

Ausgesucht wurden Stärke demonstrierende Gestalten wie Bär und Wolf, listige wie Fuchs und Katze, fruchtbare wie Hahn und Ziegenbock.

 

Als Gottestiere diente die Lichtgestalt des Schimmels, als Tier des Bösen, als Teufelstier galt der Rappe.

Ebenso verkleideten sich unsere Vorfahren als wilde Weiber, den heutigen Hexenmasken, sowie als Waldschrat und wil­de Männer.

Da die Kleiderkammer in der früheren Zeit nicht so üppig wie heute gefüllt war, wurde aus allen möglichen Stofffetzen und Fleckle ein Häs angefertigt.

So verkleidet wagte man sich auf die Gassen und Straßen, geschätzt vor dem bösen Blick, wenn in den Rauhnächten vom 26.  Dezember bis 6. Januar im Windrauschen Wotans Heer auftauchte, um sich seine Opfer für das kommende Jahr auszusuchen. (In den Gedanken unserer Vorfahren bestand Wotans Heer aus Verstorbenen, die da wieder auf die Erde zurückkamen, um alte Rechnungen zu begleichen.) Heute können wir die Angst unserer Vorfahren nur schwer begreifen und tun uns schwer, diese Bräuche zu verstehen.  Wir, die in einer Zeit aufgewachsen sind, in der Licht und Wärme die Dunkelheit und die Kälte besiegt haben.

Wenn wir unsere Vorfahren verstehen wollen, müssen wir uns einen Winter ohne Elektrizität vorstellen.

Klirrende Kälte, knirschenden Schnee, pechschwarze neblige Nächte ohne Mond und Sterne.  Dazu das Tosen und Heulen des Windes, des Sturmes, in Hütten, Häusern, die nicht die baulichen Qualitäten unseres Jahrhunderts hatten.

 

Das zum Bau verwendete Holz arbeitete, die aus Schilf, Stroh, Spreu und Holz gefertigten Decken und Wände knarrten und knacksten.  Die sich in den Zwischendecken und auf der Bühne eingenisteten Mitbewohner wie Marder, Mäuse und Fledermäuse trugen mit ihren Geräuschen das ihre zur Furcht der Menschen in langen, kalten und stürmi­schen Nächten bei.

Das Licht der Kerzen und der Spanhölzer brannte nur in Notfällen, und das zuckende Licht des Feuers gab einen bizarren Widerschein und warf gespenstische Schatten in den Zimmern an die Wände und Decke.

Versetzen wir uns zurück in unsere Vorfahren, schlüpfen wir in ihre Rolle, dann verstehen wir vielleicht, warum sie Möglichkeiten suchten und nutzten, in Gesellschaft zu sein, um mit Licht und Feuer, Helligkeit und Wärme zu haben.  Schon die Rübengeister im Herbst sind Winterbräuche, ebenso der Martinsumzug und die Adventsbräuche mit Licht und Feuer.

Das Schießen zu Silvester diente dazu, Wotans Heer zu erschrecken und zu vertreiben.  Fackeln beim Fasnetsumzug, das Funkenfeuer sowie das Saatleuchten dienten der Vertrei­bung des Winters und der Begrüßung des ersten Grüns.  Doch nicht jeder traute sich in dieser Zeit des Nachts auf die Gassen und Felder.  Die Angst war oftmals größer als der Mut.

Doch diese ängstlichen Menschen unterstützten die mutigen mit kräftigenden Speisen.  Belohnt wurden die Schnellen, die Mutigen, die sich in das Dunkel trauten, die das erste grüne Pflänzchen nach Hause brachten, war dies doch das Zeichen, daß der Sommer nahte.

Aus diesen Bräuchen entwickelten sich andere, wie das Schnorren und Heischen, die sich bis heute in unserer Gegend erhalten haben.

 

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